Das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) umfasst eine Fläche von 34.100 Quadratkilometern. Es besteht aus den zwei Landesteilen Rheinland im Westen und Westfalen-Lippe im Osten.
Für jeden Landesteil ist ein Landschaftsverband zuständig: Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
Der Zuständigkeitsbereich des LWL umfasst flächenmäßig 63 Prozent von NRW, das sind 18 Kreise und neun kreisfreie Städte.
Westfalens Landschaften wurden von uns Menschen mitgestaltet, da wir sie seit Jahrtausenden bewirtschaften. Vor allem die Landwirtschaft formte Felder, Wiesen und Weiden. Jede Wirtschaftsweise hinterließ ihre Spuren: Bodenbewirtschaftung und Düngung prägten Heideflächen, durch Viehhaltung entwickelten sich Weiden, Ackerbau ließ Feldfluren entstehen. So bildeten sich zahlreiche Nischen und Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Der Mensch trug zu großer Biodiversität bei – doch mit der Industrialisierung der Landwirtschaft ist diese Vielfalt zunehmend bedroht.
Bedrohte Haustierrassen entstanden über Jahrhunderte durch regionale Anpassung, Zuchtwahl und Nutzung durch Menschen. Früher gab es eine große Vielfalt, heute ist sie stark geschrumpft, weil moderne Landwirtschaft auf wenige leistungsstarke Rassen setzt. Ökonomische Faktoren wie höhere Milch- oder Fleischleistung verdrängen alte Rassen. Der Erhalt ist wichtig: Die alten Rassen bewahren genetische Vielfalt, sind robust, anpassungsfähig und Teil unserer Kulturgeschichte. Im LWL-Museum Hellerlecht schützen wir diese Tiere und bewahren so Traditionen und nachhaltige Einsatzmöglichkeiten zugleich.
Im LWL-Museum Hellerlecht werden unterschiedliche Gebäudetypen gezeigt, die in den historischen Haus- und Siedlungslandschaften Westfalens eine wichtige Rolle spielen. Diese Gebäudetypen unterscheiden sich nach ihrer Nutzung sowie ihrer sozialen und beruflichen Zuordnung. Neben den bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden auf den großen Höfen gibt es sog. Kötter- und Tagelöhnerhäuser als Wohnungen der ärmeren Bevölkerungsmehrheit. Besonders im dicht bebauten Paderborner Dorf wird die dörfliche Sozialstruktur um das Jahr 1900 sichtbar. Werkstätten und Gewerbebetriebe (Schmiede, Töpferei, Bäckerei) sowie kommunale Bauten (Schule, Spritzenhäuser) vervollständigen das Siedlungsbild.
Wie sah das alltägliche Leben zwischen 1800 und 1960 aus? Die Ernährung war regional und saisonal begrenzt, geprägt von Eigenanbau und Vorratshaltung. Kleine Läden, in denen man Lebensmittel oder Dinge für den Haushalt kaufen konnte, gab es nur in größeren Dörfern oder in den umliegenden Städten. Die Mobilität auf dem Land war lange Zeit eingeschränkt: Wer kein Pferd, Fahrrad oder gar Auto besaß, war zu Fuß unterwegs. Geschlafen wurde meist in ungeheizten Kammern, oft mit mehreren Personen im selben Bett. Armut bestimmte das Leben. Krankheiten konnten schnell lebensbedrohlich werden, da die medizinische Versorgung begrenzt war. Harte, oft ganztägige Arbeit prägte das Leben der meisten Menschen von Kindesbeinen an: im Haus, Stall, Feld oder in einer Fabrik. Abwechslung boten die religiösen Fest- und Feiertage. Der Glaube prägte den Jahresrhythmus und gab vielen Menschen Halt.