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Hecken und Zäune

Die Nieheimer Flechthecke ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Hecken früher sehr regionaltypisch waren – fast jedes Dorf oder jede Bauerschaft entwickelte eine eigene Form. In Nieheim wurden vor allem Haselnusstriebe genutzt, die gebogen und kunstvoll verflochten wurden. So entstand eine dichte, undurchdringliche Hecke, die als lebendiger Zaun Vieh abhielt und zugleich das Landschaftsbild prägte. Heute sind nur noch wenige dieser Flechthecken erhalten, sie werden vom Club der Nieheimer Heckenflechter gepflegt und gelten als wertvolles Kulturerbe.

Die Lippborger Biegehecke ist eine historische Heckenform aus den Lippeauen zwischen Herzfeld, Beckum und Hamm. Sie wurde aus Weißdorn gebildet, dessen Zweige mit dem Beil angeschlagen, gebogen und mit Weidenruten durch einen speziellen Knoten fixiert wurden. So entstand eine dichte, unüberwindbare Grenze für das Vieh. Heute existieren in den Auen nur noch Relikte dieser Kulturtechnik. Die letzte aktiv gepflegte Lippborger Biegehecke findet sich im LWL-Museum Hellerlecht.

Kreuzhecken sind kunstvolle, schmale Hecken, die aus Weißdorn, Hartriegel oder Hainbuche in einem Rautenmuster geflochten werden. Sie dienten weniger als Landschaftshecken, sondern eher zur Einfriedung von Höfen oder Gärten und als dekorative Begrenzungen. Heute erleben Kreuzhecken ein Revival: Sie sind nicht nur ästhetisch, sondern auch als Zaun behördlich genehmigungsfähig, etwa um Löschteiche oder Wasserrückhaltebecken. Kreuzhecken verbinden so Tradition mit moderner Nutzung.

Zäune prägten früher die Dörfer und Felder Westfalens. Im Museum können Besuchende verschiedene Formen von Zäunen entdecken: den Eichen-Holznagelzaun am Osnabrücker Hof, die Lattenzäune an der Kappenwindmühle oder den Drahtzaun mit Sandsteinpfählen am Westhellweghof. Zäune schützten das Vieh, markierten Grenzen und gliederten Gärten. Heute sind viele Zäune aus der Landschaft verschwunden, ersetzt durch Stacheldraht oder Elektrozaun. Dennoch zeigen die historischen Zäune traditionelles Handwerk und die enge Verbindung der Menschen zu ihrer Heimat.