Über Jahrhunderte verdingten sich Männer, Frauen und Kinder als sog. Tagelöhner auf Bauernhöfen, aber auch in Handwerksbetrieben, beim Straßen- und Eisenbahnbau oder in der Industrie. Für einen geringen Lohn mussten sie täglich erscheinen und schwere körperliche Arbeit verrichten. Wenige Menschen mit Tageslohn pflegten einen eigenen Garten, andere konnten durch Sparsamkeit und Familienzusammenhalt ein Haus erwerben. Im Museum zeugen die Leibzucht Rischenau, Haus Rösebeck sowie Haus Vinsebeck von diesen prekären Lebensumständen.
Das Gebäude wurde 1824 als Armenhaus im Kirchdorf Rinkerode (Drensteinfurt, Kreis Warendorf) im Münsterland errichtet. Es geht zurück auf eine wohltätige Stiftung der adligen Familie von Kerckering aus dem Jahr 1628. Vier arme, alleinstehende und ältere Frauen lebten in vier kleinen Kammern, Küche und Wohnstube wurden gemeinsam genutzt. Jede der Frauen hatte außerdem ein Stück Garten zur Verfügung. In der Stube mussten die Frauen täglich für das Seelenheil ihrer adligen Stifter beten.
Das kleine Fachwerkhaus stammt vom Hof Lindhorst in Rischenau (Lüdge, Kreis Lippe). Es wurde 1732 vom Kleinkötter Wilhelm Schröder erbaut und zeitweise als Altenteil (sog. Leibzucht) genutzt oder vermietet. Um 1900 zog die Familie Uhe ein. Nach dem Tod des Ehemanns musste die Witwe Anna Marie Uhe als Tagelöhnerin die drei gemeinsamen Kinder alleine versorgen. Es gab weder Strom noch fließend Wasser im Haus und nur eine beheizbare Stube – Alltag für die ärmliche Landbevölkerung bis in die 1930er Jahre. Im Stall hielt die Familie noch zwei Ziegen, ein Schwein und zwei Hühner, um sich zu versorgen.