Dieser Kotten, erbaut 1784, ist ein kleines Hallenhaus mit tief herabgezogenem Strohdach. Das Gebäude stand zusammen mit weiteren Kotten in der Nähe des Hofes Niesing in Höveringhausen (Mettingen, Kreis Steinfurt) und wurde an Heuerlinge, Menschen ohne eigenen Landbesitz, „verheuert“ (vermietet oder verpachtet). Spinnen und Leineweben sicherten den Lebensunterhalt vieler Heuerlingsfamilien, die außerdem regelmäßige Arbeiten auf dem Hof ihres Verpächters leisten mussten.
Das heutige Heuerhaus stammt vom Hof Reiner in Hüsede (Bad Essen, Landkreis Osnabrück) und ist ein früheres Bauernhaus von 1609, das 1738 verkürzt und durch eine Trennwand in zwei gleiche Hälften geteilt wurde. Damit konnte das Gebäude an zwei Mietparteien „verheuert“ (vermietet) werden. Bis 1932 wurden die beiden Haushälften stets von zwei Parteien bewohnt. Die jährliche Pacht betrug 4 Taler für den „halben Kotten“ und 20 Taler für etwa 3 Morgen Land, das entspricht heute etwa einem Dreiviertel Hektar. Außerdem waren die Heuerlinge zu Arbeitsleistungen auf dem Hof Reiner verpflichtet.