Das sogenannte Gesinde auf den Höfen – Knechte und Mägde – stammte meistens aus der eigenen Gemeinde, manchmal aus Nachbarschaft oder Familie.
Wenn das Gesinde eine neue Stelle bezog, brachte es meistens eine große Korbtruhe oder einen hölzernen Koffer mit. Darin konnten sie Wäsche, Arbeitskleidung und einige wenige andere Dinge, etwa ein Gesangbuch, aufbewahren.
Für das Gesinde begann die Arbeit früh im Leben: Schon Kinder wurden zum Beispiel zum Hüten von Gänseherden eingesetzt.
Die Arbeitssituation vor Ort gab es keineswegs immer her, in der Heimatregion und bei der Familie zu bleiben.
So auch in Lippe: Viele lippische Männer zogen noch bis in die 1920er Jahre als Wanderarbeiter vom Frühjahr bis Weihnachten „auf Ziegelei“ ins Ruhrgebiet und nach Nordwestdeutschland, aber auch bis in die Niederlande, nach Dänemark, Brandenburg, Sachsen und Süddeutschland.
Um 1910 war etwa ein Drittel der männlichen Einwohnerschaft von Lippe als Ziegler beschäftigt – also mit der Herstellung von Ziegeln. Im Sommer bestand die Bevölkerung vieler lippischer Orte folglich überwiegend aus älteren Menschen, Frauen und Kindern.
Die gesamte Arbeit in Haus und Stall, Feld und Garten musste von den Zieglerfrauen allein bewältigt werden.