Kinder in der Arbeitswelt waren auch in Westfalen jahrhundertelang selbstverständlich. Noch im 19. Jahrhundert arbeiteten Kinder bereits im Alter von sechs Jahren in Fabriken und Manufakturen, in der Landwirtschaft arbeiteten sie in der eigenen Familie mit oder verdingten sich mit acht oder neun Jahren auf anderen Höfen als Knechte und Mägde. Spielzeuge waren selten und besser gestellten Familien vorbehalten. Für das Spielen blieb nur den sehr kleinen Kindern oder in Pausen Zeit.
Erst 1903 verbot das Kinderschutzgesetz die Arbeit von unter Zwölfjährigen im Handel und von unter Vierzehnjährigen in Industrie und Gewerbe.
Für Kinderarbeit in Land- und Forstwirtschaft gab es noch keine allgemeinen gesetzlichen Vorgaben.
Im 19. Jahrhundert war die Idee allgemeiner Schulbildung immerhin so verbreitet, dass Schulen nach Standardgrundriss errichtet wurden. So auch die Schule aus Thöningsen, die heute im LWL-Museum Hellerlecht zu sehen ist.
Eine Lehrkraft unterrichtete bis zu 40 Kinder in solch einer „Zwergschule“. Es war üblich, dass mehrere Altersgruppen in einem Klassenzimmer zusammensaßen.
Trotz Schulpflicht waren viele Kinder zunächst nicht regelmäßig beim Unterricht: Sie mussten ihren Eltern in der Landwirtschaft helfen oder Vieh hüten. Weite Wege und schlechte Witterungsverhältnisse machten die Schulen auf dem Land oft schwer erreichbar.
Vom Einfluss der Kirchen auf die schulische Bildung sprechen sog. Kapellenschulen.
Auch auf die Zeit der Kindheit hatte es in früheren Jahrhunderten erheblichen Einfluss, in was für eine Familie man hineingeboren wurde: Arm oder reich, sozial gut gestellt oder in Lebensumstände am Rande der Gesellschaft.
Ein Beispiel für eine Familie der ländlichen Oberschicht mit Kindern bietet die Einrichtung des Gräftenhofes Schulte-Bisping. Steigt man nach oben ins Kammerfach des Hauses, sieht man links vom Saal die Schlafkammer der Eheleute.
Neben einem zeittypischen Himmelbett des 18. Jahrhunderts steht dort eine Wiege mit einem Taufkleid.
Schon die Schlafräume im unterkellerten Teil des Hofgebäudes und der große Kamin bildeten in dieser Zeit luxuriöses Wohnen.Die Kinder schliefen wärmer, waren besser ernährt und oft gesünder.
Kinder in der Arbeitswelt waren in Westfalen jahrhundertelang selbstverständlich. Noch im 19. Jahrhundert arbeiteten Kinder schon mit sechs Jahren in Fabriken und Manufakturen, in der Landwirtschaft arbeiteten sie in der Familie mit oder verdingten sich mit acht oder neun Jahren auf anderen Höfen als Knechte und Mägde. Der Begriff „Familie““ umfasste damals noch Eltern und Kinder, dazu eventuell die Großeltern, im Haus lebende unverheiratete Verwandte, Onkel, Tanten sowie Geschwister. Das auf dem Hof beschäftigte Gesinde gehörte ebenfalls dazu.
Das Thema Erziehung war so wichtig wie heute, wurde aber anders verstanden: Die körperliche Züchtigung wurde in Familie, Schule und Ausbildung meistens als notwendig betrachtet.