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Hofanlagen

Die Haupthäuser der Höfe aus dem Westen und Norden Westfalens sind niederdeutsche Hallenhäuser. Diese Form des Bauernhauses ist von den Niederlanden bis ins heutige Polen und von Südwestfalen bis Schleswig-Holstein verbreitet. Zentraler Raum des Hauses ist die befahrbare Längsdiele (Deele) mit seitlichen Kuh- und Pferdeställen – hier lebten Menschen und Tiere unter einem Dach. Am Ende der Diele liegt das Flett, der offene Küchenbereich mit dem schornsteinlosen Herdfeuer. Viele Häuser haben ein Kammerfach mit einer heizbaren Stube und Schlafkammern.

Neben den Kuh- und Pferdeställen im Haupthaus gab es auf vielen Höfen weitere Stallgebäude: Schweine wurden wegen ihres starken Geruchs in separaten Schweinehäusern oder Stallanbauten gehalten. Höfe mit eigenen Schafherden besaßen Schafställe oder Schafscheunen, die in der Nähe oder vor der Hofeinfahrt standen. Schafställe hatten häufig einen hohen Sockel aus Stein, um das Fachwerk von dem anwachsenden Schafmist zu schützen.

Zu einem mittleren bis größeren Bauernhof gehörte mindestens eine Scheune zur Lagerung von Heu und Getreide. Hier wurde auch gedroschen, darum wurde die Scheune auf vielen Höfen „Dreschhaus“ genannt. Beim Dreschen werden die Getreidekörner aus der Pflanze gelöst. Traditionelle Scheunen haben eine Längsdurchfahrt, die zum Abladen der Getreideernte und zum Dreschen genutzt wurde. In vielen Scheunen waren auch zusätzliche Ställe für Rinder und Pferde untergebracht. Außerdem wurden hier Ackerwagen und -geräte abgestellt.

Backhäuser wurden wegen der Brandgefahr mit Abstand zum Haupthaus errichtet. Es gab aber auch Backspeicher oder angebaute Backöfen an Kötterhäusern. Ältere Backöfen hatten eine Lehmkuppel und ein äußeres Holzgerüst mit Dach als Wetterschutz. Seit dem 19. Jahrhundert wurden Backöfen dann mit Backsteingewölben und steinernen Außenmauern gebaut. In einem hölzernen Backtrog wurde der Teig zubereitet, um daraus Brot und Kuchen zu backen. Mit einem Buchenholzfeuer wurde der Ofen erhitzt, vor dem Backen musste die Glut herausgezogen werden. Mit der Resthitze des Ofens konnte dann noch Obst gedörrt werden.

Der Dörrofen stammt aus Falkenflucht (Höxter, Kreis Höxter) und wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Er befindet sich seit 1980 im Museum.

Zum Obstdörren wurden meistens vorhandene Backöfen genutzt, freistehende Dörröfen waren in Westfalen sehr selten. Dieser Ofen stand bei Höxter am Rande einer Obstweide. Der kleine Bruchsteinbau hat an der Rückseite eine Brennkammer. Von dort wird erhitzte Luft über zwei Kanäle nach vorn geleitet. Bereits zwei bis drei Tage vor dem Dörren musste der Ofen angefeuert werden. Apfelringe, Birnenspalten und Zwetschgen wurden auf sog. Hürden, also Holzrahmen mit Weidengeflecht, in der heißen Luft im Innern des Ofens gedörrt.

Der Flachsofen stammt vom Hof Theßeling in Hengeler (Stadtlohn, Kreis Borken und wurde um 1860 erbaut.

Im Westmünsterland haben Flachsanbau und Leinenherstellung eine lange Tradition, daraus entstand die um 1850 aufblühende Textilindustrie. Nach tagelangem Einweichen in kleinen Teichen (Flachsrotten) musste der Flachs getrocknet werden, um die Fasern leichter von den nun brüchigen Stängeln lösen zu können. Dafür gab es im Westmünsterland eigene Flachsöfen, die wegen der hohen Brandgefahr abseits vom Hof standen. Der Flachsofen im Museum hat zwei Gewölbe aus Backstein. Nach dem Einheizen und dem Herausziehen von Glut und Asche wurde der heiße Ofen mit dem nassen Flachs bestückt und verschlossen.